Susanne Neall

Beruf:
Unternehmerin

Zhineng Qigong seit:
seit 2004

Webseite:
http://www.neallhorses.com/

Energetisches Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier

Es ist Mittwochmorgen, die Sonne scheint und ich fahre zusammen mit unserem Fotografen Jan zum Pferdestall von Susanne Neall. Susanne kommt zu meinem Montagabend Kurs Zhineng Qigong. Vor einigen Wochen schickte sie mir den Link zu ihrer Website: www.neallhorses.com. Ich hatte schon seit einiger Zeit die Idee, Teilnehmer meiner Kurse zu interviewen, da mich die Frage beschäftigte, wie Menschen Zhineng Qigong in ihr Leben integrieren. Nachdem ich ihre Geschichte auf ihrer Website gelesen hatte, wollte ich von ihr wissen, wie sie das Qi bei ihrer Arbeit mit den Pferden benutzt.

Wir sind inzwischen angekommen bei ihrem Haus und ihrem Pferdestall und uns umgibt eine große Ruhe. Klares Qi fließt in dieser Umgebung und das ist deutlich spürbar. Susanne empfängt uns mit einem inneren Lächeln und zeigt uns ihren Pferdestall. Vier Prachtpferde schauen uns mit großen Augen an. Sie sind wirklich wunderschön. Susanne beginnt damit, Royal aus der Pferdebox zu holen. Sie möchte ihn erst putzen bevor er fotografiert wird. Hier beginnt das Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier. Royal kennt ihre Bewegungen und genießt ihre Aufmerksamkeit. Wir schauen zu und bewundern diesen kraftvollen Qi-Austausch.

Susanne Neall ist die Gründerin von Neallhorses. Seit ihrem sechsten Lebensjahr reitet sie. Schon da zeichnet sich ab, dass sie eine besondere Gabe hat mit Pferden umzugehen. Nach Ihrem Schulabschluss beginnt ihre Arbeit in der Pferdewelt. Schnell entwickelt sich die Idee eines eigenen Unternehmens auf dem Gebiet von Sportpferden.

Neallhorses hat das Ziel, die optimale Balance zu finden zwischen den natürlichen Bedürfnisses eines Pferdes und den athletischen und mentalen Voraussetzungen eines Pferdes, um als Sportpferd zu fungieren. Ruhe, gegenseitiges Vertrauen und Respekt sind hier die Schlüsselworte zum Erfolg.

Welche Rolle spielt Respekt in der Zusammenarbeit mit dem Pferd?

Respekt und Vertrauen sind von großer Wichtigkeit in der Zusammenarbeit mit einem Pferd und auch mit anderen Tieren. Nur dann kann ein Tier offen sein für die eigene Entwicklung. Dann erst haben Mensch und Tier einen natürlichen ‘Flow’ miteinander. 

Du hast früh begonnen mit der Arbeit mit Pferden. Warum fühltest du dich so angezogen von der Pferdewelt?

In meiner Kindheit in England war ich immer umgeben von Tieren. Garten und Natur waren mein Spielplatz. Als Kind hatte ich verschiedene Tiere. Eine große Schildkröte gehörte auch dazu. Ich war oft draußen, wo ich malte und mit den Tieren in meiner Nähe, war ich in meinem Element. Später sind die Pferde hinzugekommen. Ein Pferd ist ein Gefühlstier. Ich bin auch sehr sensibel und kann mich daher einfach mit ihnen verbinden. Ich arbeite auch gerne mit sensiblen Pferden. Wir haben die gleiche Frequenz.

Inzwischen bist du bekannt in der Pferdewelt. Was ist dein Schlüssel zum Erfolg?

Ich sehe mich selbst nicht als ‘erfolgreich.’ Ich weiß einfach aus Erfahrung, dass meine Methode funktioniert und darum muss ich nichts beweisen.

Ruhe und Verständnis sind wichtig in meiner Arbeit. Das sind dann auch die Zutaten für das ‘horsemanship.’ Ich kann mich gut vertiefen in das Wesen des Pferdes. Das ist Teil meiner Arbeit. Pferde spiegeln den Mensch und zwingen uns dazu, im Hier und Jetzt zu sein. Ein Pferd kannst du nicht anlügen. Es durchschaut dich sofort. Von dieser Gegenwärtigkeit und Intelligenz der Pferde lerne ich noch täglich.

Da ich mit viel Freude arbeite, verbinde ich mich auf ganz natürliche Art und Weise mit dem universalen, kreativen Qi und das mach mir ganz viel Spaß. Wenn ich dann meine Ziele damit verbinde, ist jeder Tag ein Geschenk. Ich hoffe auch, dass meine Arbeitsweise andere Menschen inspiriert, so dass sie sehen, wie reich und herausfordernd das Leben ist.  

Warum hast du mit der Arbeit mit Qi begonnen?

Ich hatte eine Zeit in meinem Leben wo ich dachte, dass Dinge stagnierten und ich das Gefühl hatte, dass es mehr gibt zwischen Himmel und Erde als wir sehen. Meine Sensibilität war ein Problem beim Kontakt mit anderen. Während meiner Ausbildung zur Reiki Therapeutin wurde mir bewusst, dass es auch ein Vorteil ist, so sensibel zu sein. Das öffnete meine Augen. Seitdem kann ich meine Sensibilität akzeptieren und positiv einsetzen. Das war ein intensiver Prozess, der einige Jahre gedauert hat. Jetzt habe ich das Gefühl, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Du kommst jede Woche zum Zhineng Qigong Kurs. Welchen Einfluss haben die Qigongübungen auf dein Leben?

Zhineng Qigong ist für mich ein Weg zur Erdung. Ich fühle mich nach der Übung zentrierter. Es gibt mir auch Ruhe, die ich brauche, um mit den Pferden zu arbeiten. Manchmal praktiziere ich Zhineng Qigong im Pferdestall. Danach bin ich in Balance und das spüren die Pferde sofort.

Reiten könnte man auch Partnerqigong nennen. Siehst du das auch so?

Ja sicher. Die ersten 10 Minuten auf dem Pferd überlasse ich meistens dem Pferd. Es kann dann machen, was es will. Ich warte und beobachte. Alles Mögliche geschieht und das ist ok. Langsam verändert sich das Zusammenspiel und ich fühle, wie das Pferd und ich eins werden. Ich spüre, wie meine Beine durch die Beine des Pferdes gehen und Kontakt mit der Erde aufnehmen, so als ob ich in dem Pferd bin statt auf seinem Rücken. Das ist eine starke energetische Verbindung und dann geht alles wie von selbst. Das ist ein enormer Kick. Zeit und Form lösen sich auf. Mensch und Pferd verschmelzen wie eine große Qiperson.

Wenn du dir die Pferdewelt so anschaust – welche Botschaft hast du für deine Kollegen?

Menschen sollten sich mehr Zeit nehmen und öfter entschleunigen. Nicht nur in Bezug auf das Pferd – auch miteinander. Weniger Kommerz und Eigennutz. Spaß und Leidenschaft sind viel wichtiger!

Text: Anne Hering

Fotos: Jan Paasman